Google verpackt seit Ende August Suchergebnis-Links in eigene Redirects. Wir scrapen keine SERPs — aber die Meldung hat uns zu einem verwandten, unabhängig davon bestehenden Blindspot in unserem eigenen Werkzeug geführt.
Was gerade passiert
Seit Ende August 2026 rollt Google in den Suchergebnissen sogenannte goto-URLs aus: Statt direkt auf die Zielseite zu verlinken, führt Google Treffer über google.com/goto?… — einen eigenen Redirect mit verschlüsseltem Parameter. Google selbst bestätigt den Rollout als „technische Maßnahme gegen Missbrauch". Für Suchende ändert sich praktisch nichts. Für alle, die SEO- oder GEO-Daten auswerten, schon.
Klassisches organisches Ranking und Videos bleiben laut aktuellen Berichten für Tools weiterhin sauber auslesbar. Betroffen sind vor allem die neueren SERP-Features: AI Overviews, Local Pack und Vergleichsboxen. Wird dort nur die goto-URL erfasst statt sie aufzulösen, landet ein Treffer fälschlich unter der Domain google.com statt unter der eigentlich verlinkten Website. Nach Domain gefiltert, fällt er dann unbemerkt aus der Auswertung heraus.
Das Tückische: kein Totalausfall, den man sofort bemerkt — eine schleichende Verschlechterung der Datenqualität, die sich erst zeigt, wenn Zahlen in Reports plötzlich nicht mehr zusammenpassen.
Wo wir genauer hingeschaut haben
Wir scrapen bei SEMSEO Tools keine Google-Suchergebnisseiten direkt — das klassische goto-Problem betrifft unsere eigene Datenerfassung damit nicht unmittelbar. Aber die Meldung war der Anlass, gezielt zu prüfen, ob es an anderer Stelle im eigenen Werkzeugkasten ein strukturell ähnliches Problem gibt: eine Google-eigene Weiterleitung, die eine echte Zieldomain vor der Auswertung verbirgt.
Fündig geworden sind wir im AI Citation Tracker, unserem Modul zur Messung von KI-Sichtbarkeit — Share of Voice in ChatGPT-, Perplexity-, Gemini- und Claude-Antworten.
Wenn Gemini über die Google-Search-Grounding-Funktion Quellen zitiert, liefert die API in groundingChunks[].web.uri grundsätzlich keinen direkten Link zur Quelle, sondern einen Redirect über vertexaisearch.cloud.google.com/…. Die Zieldomain steht darin nicht im Klartext — ein Feld, das sie enthalten würde, stellt Google laut eigener Dokumentation nur in der Vertex-AI-Variante der API bereit, nicht in der Developer API, die die meisten Tools nutzen.
Die Folge: Unser Abgleich „wurde die Domain unseres Kunden zitiert?" konnte bei Gemini-Antworten strukturell kaum je zutreffen — nicht weil die Domain nicht zitiert wurde, sondern weil sie im gelieferten Link schlicht nicht auftauchte.
Die Lösung
Google liefert neben der Redirect-URL noch ein zweites Feld mit: web.title. Darin steht in der Praxis meist der Domainname der zitierten Quelle im Klartext. Bisher hat unser Code dieses Feld beim Verarbeiten der Zitate verworfen und nur die nichtssagende Redirect-URL gespeichert.
Titel und Redirect-URL fließen jetzt gemeinsam in den Domain-Abgleich ein. Das Tool erkennt jetzt zuverlässiger, wenn eine Domain in einer Gemini-Antwort tatsächlich zitiert wurde — ganz ohne zusätzlichen API-Call oder Mehrkosten, einfach durch korrekte Auswertung dessen, was Google ohnehin schon mitliefert.
Was das für euch heißt
- Nutzt ihr den AI Citation Tracker mit Gemini als Provider: Share-of-Voice-Werte sollten ab dem Update präziser sein — besonders bei Domains, die trotz tatsächlicher Zitierung bisher als „nicht zitiert" geführt wurden.
- Perplexity und Claude waren von diesem spezifischen Problem nicht betroffen — beide liefern direkte Quell-URLs.
- Beim klassischen Rank-Tracking über organische Ergebnisse besteht aktuell kein Handlungsbedarf — die goto-Maskierung betrifft primär KI- und Feature-Snippets, nicht die klassischen blauen Links.
Die Lehre, unabhängig vom Einzelfall: Sobald eine Suchmaschine oder KI-Plattform eigene Redirects zwischen Nutzer und Zielseite schaltet, lohnt es sich, jede Zitations- oder Ranking-Auswertung, die auf URL-Strings basiert, kritisch gegenzuprüfen — nicht nur bei Google, und nicht nur einmal.